Dsc01713

Ara­bi­ca oder Robus­ta: Wel­che Sor­te für wel­chen Zweck?

Dass Ara­bi­ca und Robus­ta die bei­den wirt­schaft­lich bedeu­tends­ten Kaf­fee­sor­ten sind, dürf­ten die meis­ten ange­hen­den Kaf­fee­ken­ner wis­sen. Schließ­lich fin­den sich die­se bei­den Sor­ten­be­zeich­nun­gen auch häu­fig auf den Ver­pa­ckun­gen gän­gi­ger Super­markt­wa­re. Doch im Hin­blick auf die Qua­li­tä­ten und bes­ten Ver­wen­dungs­zwe­cke die­ser bei­den Sor­ten kur­sie­ren auch eini­ge fal­sche Annah­men und Vor­ur­tei­le. Ins­be­son­de­re wer­den Ara­bi­ca-Kaf­fees oft als sel­te­ner und hoch­wer­ti­ger ange­se­hen, wäh­rend Robus­ta als bil­li­ge Mas­sen­wa­re min­de­rer Qua­li­tät gilt. So ein­fach ist es aller­dings nicht, wie ein Ver­gleich bei­der Sor­ten zeigt.

Ara­bi­ca: nur zum Teil hochwertig

Wenn auf einer Packung Kaf­fee die Anga­be „100 Pro­zent Ara­bi­ca” ver­merkt ist, sug­ge­riert dies in den Augen vie­ler Käu­fer eine gewis­se Hoch­wer­tig­keit. Die­se ist aller­dings nicht zwangs­läu­fig gege­ben. Hoch­wer­ti­ger Kaf­fee von spe­zia­li­sier­ten Anbie­tern wie bei­spiels­wei­se Black Label Cof­fee besteht zwar tat­säch­lich oft aus Ara­bi­ca-Boh­nen, doch sel­ten ist er kei­nes­wegs. Viel­mehr ist Ara­bi­ca mit einem Welt­markt­an­teil von knapp 60 Pro­zent die wirt­schaft­lich bedeu­tends­te Kaf­fee­sor­te über­haupt. Aller­dings gel­ten nur etwa fünf Pro­zent der welt­wei­ten Ara­bi­ca-Pro­duk­ti­on als beson­ders hoch­wer­tig. Ein hun­dert­pro­zen­ti­ger Ara­bi­ca-Kaf­fee kann dem­nach sowohl beson­ders aro­ma­tisch und über­durch­schnitt­lich gut, aber eben­so gut auch bil­li­ge Mas­sen­wa­re sein. Eine pau­scha­le Bevor­zu­gung von Ara­bi­ca gegen­über Robus­ta wäre jeden­falls nicht gerecht­fer­tigt, auch wenn selbst weni­ger exzel­len­te Ara­bi­ca-Ware von vie­len weni­ger anspruchs­vol­len Kun­den wegen ihres ange­neh­men Aro­mas und ihres mode­ra­ten Kof­fe­in­ge­halts geschätzt wird.

Robus­ta: Belieb­te Basis für exzel­len­ten Expresso

Eben­so wenig begrün­det wäre eine pau­scha­le Gering­schät­zung von Robus­ta. Der Ruf der zweit­wich­tigs­ten Kaf­fee­sor­te mit einem Welt­markt­an­teil von rund 40 Pro­zent hat zwar in Deutsch­land, ins­be­son­de­re im Osten des Lan­des, in der Ver­gan­gen­heit etwas gelit­ten. Doch das ist nicht auf all­ge­mei­ne Eigen­schaf­ten der Sor­te zurück­zu­füh­ren. Viel­mehr liegt der Grund dafür in qua­li­ta­tiv oft­mals unbe­frie­di­gen­den Robus­ta-Impor­ten der ehe­ma­li­gen DDR, vor allem aus Viet­nam. Die­se wur­den zu DDR-Zei­ten teil­wei­se sogar noch mit Kaf­fee-Ersatz­stof­fen oder Erb­sen­mehl gestreckt, um Ver­sor­gungs­eng­päs­se zu kaschie­ren. Dass sich der Genuss bei die­sen doch sehr spe­zi­el­len „Kaf­fees” meist sehr in Gren­zen hielt, ver­wun­dert ange­sichts einer sol­chen Zusam­men­set­zung kaum. Mit einem wirk­lich guten Robus­ta hat all dies natür­lich nichts zu tun. Die­ser erfreut sich bei Kaf­fee­ken­nern durch­aus gro­ßer Wert­schät­zung. Der leicht erdi­ge oder hol­zi­ge Geschmack, die im Ver­gleich zu Ara­bi­ca-Boh­nen gerin­ge­re aro­ma­ti­sche Viel­falt bei gleich­zei­tig höhe­rem Anteil von bit­te­ren Nuan­cen sowie der vol­le­re Kör­per machen ihn zu einer sehr belieb­ten Kom­po­nen­te von Espres­so-Mischun­gen. Auch der höhe­re Kof­fe­in­ge­halt spielt dabei eine Rol­le. Denn durch den Zusatz eines ent­spre­chen­den Robus­ta-Anteils las­sen sich Espres­so­mi­schun­gen her­stel­len, die im Ver­gleich zur aus­schließ­li­chen Ver­wen­dung von Ara­bi­ca mehr Kof­fe­in ent­hal­ten und sich durch ein inten­si­ve­res aus­ge­präg­tes Aro­ma auszeichnen.

Fazit: Ara­bi­ca vs. Robus­ta kennt zwei Gewin­ner, aber kei­nen Verlierer

Ins­ge­samt betrach­tet, gibt es beim Ver­gleich der bei­den ver­brei­tets­ten Kaf­fee­sor­ten der Welt also weder einen Gewin­ner noch einen Ver­lie­rer. Zum einen kommt es auf die Qua­li­tät der Ware im kon­kre­ten Ein­zel­fall an, denn von bei­den Sor­ten gelan­gen zum Teil sehr unter­schied­li­che Qua­li­tä­ten auf den Markt. Und zum ande­ren bedie­nen bei­de Sor­ten unter­schied­li­che geschmack­li­che Vor­lie­ben und eig­nen sich jeweils für bestimm­te Ver­wen­dungs­zwe­cke. Wäh­rend Robus­ta oft her­be­re, inten­si­ve­re Kaf­fees ergibt, wirkt ein Ara­bi­ca meist mil­der und aus­ge­wo­ge­ner. Und ein guter Espres­so erhält häu­fig erst durch eine Robus­ta-Kom­po­nen­te sei­nen beson­de­ren Charakter.