Die Kaffeeriecher, aus: Louis Katzenstein Die Gartenlaube (1892)

Kaf­fee­ver­bot

Im 17. und 18. Jahr­hun­dert wur­den die Kaf­fee­häu­ser auch in Euro­pa immer belieb­ter. Wäh­rend zu Beginn das hei­ße Getränk eher von der bes­se­ren Gesell­schaft getrun­ken wor­den ist, ent­wi­ckel­te sich der Kaf­fee zu einem „Jeder­mann-Getränk”. Über alle sozia­len Schich­ten hin­weg wird der Kaf­fee genos­sen. Der ein­fa­che Bür­ger war durch die Bier­sup­pe, die es sowohl zum Früh­stück und Mit­tag­essen als auch zum Abend­essen gab, durch den Alko­hol den gan­zen Tag über berauscht. Dage­gen blieb er durch den Kaf­fee nicht nur nüch­tern und klar, son­dern das Kof­fe­in mach­te mun­ter und ver­trieb die Müdig­keit. Der dadurch ver­ur­sach­te Rück­gang des Alko­hol­kon­sums wur­de von den dama­li­gen Bier­brau­ern schmerz­lich beklagt. Hin­zu kam, dass der Kaf­fee als Luxus­gut impor­tiert wer­den muss­te und nach dama­li­ger Mei­nung des­halb zu viel Geld im Aus­land aus­ge­ge­ben wur­de. Außer­dem war der Obrig­keit auch der kri­ti­sche Frei­geist, der oft in den Kaf­fee­häu­sern vor­herrsch­te, ein Dorn im Auge – eben­so wie die dor­ti­ge Pro­sti­tu­ti­on.

Das Ergeb­nis war viel­fach eine Beschrän­kung bzw. ein Ver­bot des Kaf­fees. So wie nach der Ent­de­ckung im Islam der Kaf­fee zeit­wei­se ver­bo­ten wur­de und auch die Obrig­keit im Osma­ni­schen Reich dem Trei­ben in den Kaf­fee­häu­sern ver­such­te Ein­halt zu gebie­ten, fin­gen jetzt diver­se selb­stän­di­ge Län­der und Staa­ten an, den Kaf­fee­kon­sum ein­zu­schrän­ken:

  • 1756 Ein­fuhr­ver­bot in Schwe­den,
  • 1764 Han­dels­ver­bot im Her­zog­tum Braun­schweig,
  • 1766 Luxus­steu­er für Kaf­fee in Preu­ßen,
  • 1768 Kaf­fe­e­mo­no­pol in der Graf­schaft Schaum­burg,
  • 1773 Ver­ord­nung über Kaf­fee­trink­ver­bot bestimm­te Bevöl­ke­rungs­grup­pen in Hes­sen-Kas­sel,
  • 1780 Kaf­fee­ver­bot für nie­de­re Stän­de in allen Län­dern des Kur­fürs­ten­tums Braun­schweig-Lüne­burg (Kur­han­no­ver),
  • 1781 Ver­bot des Kaf­fee­rös­tens in Preu­ßen.

Bei­spiels­wei­se hielt in Preu­ßen Fried­rich der Gro­ße den über­mä­ßi­gen Kaf­fee­ge­nuss für wirt­schafts­schä­di­gend. Um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken, erließ er für Kaf­fee eine Luxus­steu­er in Preu­ßen und trieb die Ein­fuhr­zöl­le für Kaf­fee­boh­nen in die Höhe. Damit konn­te er wenigs­tens am Kaf­fee mit­ver­die­nen und unter­sag­te den frei­en Han­del. Ab 1766 war es nur noch dem Staat Preu­ßen erlaubt, mit Kaf­fee zu han­deln.

Aller­dings hat­te Fried­rich der Gro­ße nicht mit dem Erfin­dungs­reich­tum und der Hart­nä­ckig­keit sei­ner Unter­ta­nen gerech­net. Die Bevöl­ke­rung ver­leg­te sich aufs Schmug­geln. Zwi­schen diver­sen ande­ren Han­dels­gü­tern wie z.B. Holz oder Heu wur­de der Kaf­fee ver­steckt und so die Zoll­ab­ga­ben ver­mie­den. Außer­dem han­del­te man ver­mehrt mit unge­rös­te­ten Kaf­fee­boh­nen, da sie preis­güns­ti­ger waren. Die­se wur­den dann zu Hau­se auf dem Herd gerös­tet.

Da die bis­he­ri­gen Maß­nah­men das Volk nicht dazu ver­an­lass­te, den Kaf­fee­kon­sum zu mini­mie­ren, erließ Fried­rich der Gro­ße am 21. Janu­ar 1781 eine wei­te­re Kaf­fee­ver­ord­nung, nach der auch das Rös­ten von Kaf­fee für die Bevöl­ke­rung ver­bo­ten und ledig­lich der Rös­te­rei des Staa­tes noch gestat­tet war. Außer­dem durf­te die­ser gerös­te­te Kaf­fee aus­schließ­lich durch eini­ge bestimm­te Händ­ler (mit Kon­zes­si­on) und natür­lich durch den Staat ver­kauft wer­den. Kaf­fee war ein Luxus­pro­dukt gewor­den, das offi­zi­ell zu enorm hohen Prei­sen zu erwer­ben war.

Damit die­ses Röst-Ver­bot auch vom Volk ein­ge­hal­ten wur­de, fand eine Kon­trol­le statt, für die extra 400 ehe­ma­li­ge fran­zö­si­sche Sol­da­ten (Inva­li­den) ein­ge­stellt wor­den sind. Die­se wur­den Kaf­fee­rie­cher oder auch Kaf­fee­schnüff­ler genannt. Sie soll­ten die Ein­hal­tung des Kaf­fee­ver­bots und Röst-Ver­bots kon­trol­lie­ren und durf­ten zu die­sem Zweck Bür­ger durch­su­chen und auch Woh­nun­gen unter die Lupe neh­men. Neben ihren enorm hohen Gehäl­tern konn­ten die Kaf­fee­schnüff­ler durch Prä­mi­en für ent­deck­ten, erschnüf­fel­ten Kaf­fee ihren Lohn auch noch auf­bes­sern. So war es kei­ne Sel­ten­heit, dass Per­so­nen – auch Frau­en – auf offe­ner Stra­ße durch­sucht und abge­tas­tet wur­den. Auch in den eige­nen vier Wän­den war man vor einem plötz­li­chen Ein­tre­ten und Abschnüf­feln durch die Kaf­fee­rie­cher nicht sicher. Der Erfolg der Kaf­fee­rie­cher war natür­lich auf­grund des Kaf­fee­dufts, beson­ders bei gerös­te­ten Boh­nen, enorm. Bei der Bevöl­ke­rung waren die Kaf­fee­schnüff­ler nicht nur wegen ihrer Auf­ga­be, son­dern auch wegen ihres Auf­tre­tens und der Will­kür, mit der sie ihrer Arbeit nach­gin­gen, gera­de­zu ver­hasst. Aber auf ihren Kaf­fee hat die Bevöl­ke­rung nicht ver­zich­tet – nur auf den lega­len Erwerb und Genuss. Allein der Schmug­gel blüh­te. Erst im Jahr 1787 ent­schied der Nach­fol­ger von Fried­rich dem Gro­ßen, die Kaf­fee­rie­cher wie­der abzu­schaf­fen, da der durch den Kaf­fee­schmug­gel ent­ste­hen­de Scha­den für die Staats­kas­se nicht annä­hernd durch Steu­ern auf­ge­fan­gen wer­den konn­te.